Beruflicher Aufstieg

«Also, erzählen Sie mir etwas über sich.» Was wollen Interviewer wirklich wissen?

Lesezeit 15min

Hinweis: Original auf Englisch. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie haben den Bewerbungsprozess erfolgreich gemeistert. Ihr Lebenslauf hat überzeugt. Sie sitzen dem Hiring Manager gegenüber, eine Mischung aus Nervosität und Vorfreude liegt in der Luft. Und dann kommt die unvermeidliche Einstiegsfrage, bei der selbst sehr selbstbewusste Kandidatinnen und Kandidaten kurz ins Stocken geraten: «Also, erzählen Sie mir etwas über sich.»

Klingt eigentlich simpel, oder? Schliesslich sind Sie die weltweit führende Expertin bzw. der weltweit führende Experte für sich selbst. Und trotzdem bringt diese scheinbar harmlose Frage mehr Bewerbende aus dem Konzept als jede Verhaltensfrage oder technische Challenge.

Warum diese Frage wichtiger ist, als Sie denken

Warum diese Frage wichtiger ist, als Sie denken

Seien wir ehrlich: Die meisten Interviewer haben Ihren Lebenslauf bereits gelesen, bevor sie Sie zum Gespräch eingeladen haben. Sie wissen, wo Sie studiert haben, bei welchen Unternehmen Sie gearbeitet haben und wie lange Sie in welchen Rollen tätig waren. Was sie wirklich einschätzen wollen, ist, wie Sie kommunizieren – und ob Ihre Erfahrung zu den Anforderungen der Stelle passt.

Doch es geht noch tiefer. Diese Frage zielt nicht primär auf Ihren beruflichen Werdegang ab. Sie soll eine viel zentralere, unausgesprochene Frage beantworten:

«Möchte ich mit dieser Person zusammenarbeiten?»

Denken Sie darüber nach: Zwei Kandidaten können auf dem Papier exakt gleich qualifiziert sein. Doch die Person, die in den ersten Minuten eine echte Verbindung aufbaut? Genau sie bleibt im Gedächtnis. Genau sie kommt eine Runde weiter.

Die fatalen Fehler, die Kandidaten aus dem Rennen werfen

Die fatalen Fehler, die Kandidaten aus dem Rennen werfen

Bevor wir zur erfolgreichen Strategie kommen, sprechen wir darüber, was Sie nicht tun sollten. Diese Fehler können Sie die Chance kosten, noch bevor das eigentliche Interview richtig begonnen hat.

1. Der Wikipedia-Biografie-Ansatz

Ihre Antwort mit Details zu beginnen, wo Sie geboren wurden oder Ihre gesamte Lebensgeschichte chronologisch aufzuzählen, ist heikles Terrain. Niemand muss wissen, dass Sie 2010 die Matura gemacht haben oder Tiere schon seit Ihrer Kindheit lieben – ausser, Sie bewerben sich als Tierärztin oder Tierarzt, und selbst dann gibt es elegantere Wege, das einzubringen.

Schlechtes Beispiel:

„Also, ich bin in Bern geboren, habe das Gymnasium XY besucht und dann Marketing an der Universität studiert, wo ich sehr aktiv im Studentenleben war …“

Nächste Kandidatin, bitte.

2. Das reine Wiederholen des Lebenslaufs

Sie haben Ihren Lebenslauf gerade eben abgegeben. Die Interviewer kennen Ihren Hintergrund und müssen nicht Punkt für Punkt nochmals durch Ihre Stationen geführt werden. Ein chronologisches Aufzählen Ihrer Jobs verschwendet wertvolle Zeit und verfehlt den Kern der Frage.

Schlechtes Beispiel:

„Ich habe 2018 als Praktikant bei Firma A angefangen, wurde 2019 Junior Analyst und bin 2021 als Senior Analyst zu Firma B gewechselt …“

Sie können lesen. Zeigen Sie ihnen etwas, das nicht im Lebenslauf steht.

3. Zu persönlich oder negativ werden

Über die aktuelle Chefin klagen, erklären, warum Sie unbedingt aus einem toxischen Arbeitsumfeld fliehen wollen, oder sehr private Herausforderungen schildern? Bitte nicht. Diese Frage dreht sich um Ihre professionelle Geschichte und Ihre Eignung für diese Rolle. Negative Aussagen über Ihren aktuellen Job werfen Fragen zu Professionalität und Urteilsvermögen auf.

Bleiben Sie sachlich, positiv und zukunftsorientiert.

4. Unvorbereitet ins Gespräch gehen

Der vielleicht grösste Fehler: ohne vorbereitete Antwort erscheinen. Das ist die vorhersehbarste Frage in jedem Vorstellungsgespräch. Wenn Sie hier stolpern oder sich in einer fünfminütigen, unstrukturierten Erzählung verlieren, signalisieren Sie mangelnde Vorbereitung.

5. Keine Anpassung an die Stelle vornehmen

Für jedes Interview dieselbe Antwort zu verwenden – unabhängig von Unternehmen, Rolle oder Branche – zeigt, dass Sie sich nicht mit der Stelle auseinandergesetzt haben. Ihre Antwort sollte verdeutlichen, dass Sie verstehen, was dieses Unternehmen sucht und warum genau Ihr Profil passt.

Stark einsteigen: Sollte man um Präzisierung bitten?

Stark einsteigen: Sollte man um Präzisierung bitten?

Vielleicht haben Sie schon den unkonventionellen Tipp gehört, auf „Erzählen Sie mir etwas über sich“ mit etwas wie folgendem zu antworten:

„Da Sie meinen Lebenslauf ja bereits haben – möchten Sie eine Klärung dazu oder etwas Interessanteres hören?“

Auf den ersten Blick wirkt das clever, vielleicht sogar strategisch. Die Idee dahinter: Man lenkt den Interviewer subtil in eine gewünschte Richtung.

Die Realität ist jedoch: Diese Methode ist riskant und wird von Karriereexpertinnen und -experten nicht empfohlen.

Warum diese Technik nach hinten losgehen kann

Nach Recherchen bei Coaches, Recruitern und Hiring Managern zeigt sich ein klarer Konsens:

Sie kann überheblich wirken. Die Frage impliziert, dass der Interviewer den Lebenslauf womöglich nicht gelesen hat – was vorbereitete Gesprächspartner eher irritiert.

Sie verschwendet wertvolle Zeit. Anstatt Ihre Stärken zu präsentieren, geben Sie die Initiative aus der Hand.

Sie kann wie ein Ausweichen wirken. Nachfragen können den Eindruck erwecken, Sie seien unvorbereitet oder wollten die Frage umgehen.

Experten raten klar davon ab. Die überwiegende Meinung lautet: Beantworten Sie die Frage direkt. Sie ist Ihre Chance, die Geschichte selbst zu steuern.

Der bessere Ansatz: Vorbereitung und Selbstsicherheit

Gehen Sie mit einer durchdachten, klaren Antwort ins Interview. Das hat mehrere Vorteile:

  • Sie zeigen Vorbereitung. Eine strukturierte Antwort signalisiert Professionalität.
  • Sie kontrollieren Ihre Geschichte. Sie entscheiden, welche Aspekte im Fokus stehen.
  • Sie strahlen Selbstvertrauen aus. Direktes Antworten ohne Zögern wirkt souverän.

Wann Nachfragen tatsächlich sinnvoll sind

Es gibt eine wichtige Ausnahme: Wenn die Frage wirklich unklar formuliert ist.

Wenn ein Interviewer etwa sagt: „Erzählen Sie einfach irgendetwas“ oder explizit etwas hören möchte, das nicht im Lebenslauf steht, können Sie höflich nachfragen:

„Gerne. Möchten Sie, dass ich mich auf meinen beruflichen Hintergrund konzentriere, oder interessieren Sie sich auch für meine Interessen ausserhalb der Arbeit?“

Das ist eine respektvolle, genuine Klärung – kein taktisches Spiel.

Das Gegenwart–Vergangenheit–Zukunft-Modell

Das Gegenwart–Vergangenheit–Zukunft-Modell

Kommen wir zu dem, was wirklich funktioniert. Die effektivste Methode, um „Erzählen Sie mir etwas über sich“ zu beantworten, ist eine einfache, flexible Struktur, die von Karriere-Coaches breit empfohlen wird: der Gegenwart–Vergangenheit–Zukunft-Bogen.

Dieses Modell gibt Ihnen eine klare Leitlinie, ohne dass Sie wie ein Roboter klingen.

Gegenwart: Wer Sie heute sind

Beginnen Sie mit Ihrer aktuellen Rolle und Ihren Stärken – aber mit Persönlichkeit. Nennen Sie nicht einfach Ihren Jobtitel.

Statt:

„Ich bin Marketing Manager bei TechCorp.“

Besser:

„Aktuell bin ich die Person im Team, die beigezogen wird, wenn eine Kampagne nicht wie geplant läuft und rasch eine Wende braucht. Offiziell bin ich Marketing Manager, intern werde ich aber oft als ‚Rettungsspezialist‘ bezeichnet, weil ich es liebe, Probleme zu analysieren und unter Zeitdruck kreative Lösungen umzusetzen.“

Gleiche Position, ganz andere Wirkung. Sie zeigen wie Sie arbeiten, nicht nur was auf Ihrer Visitenkarte steht.

Tipps für die Gegenwart:

  • Starten Sie mit Ihrer aktuellen Rolle und Ihren Kernstärken
  • Ergänzen Sie einen Aspekt, der Ihren Mehrwert zeigt
  • Halten Sie es relevant für die ausgeschriebene Stelle
  • Dauer: ca. 20–30 Sekunden

Vergangenheit: Ihr kuratierter Weg

Hier verlieren sich viele in zu vielen Details. Beschränken Sie sich auf 2–3 Sätze und heben Sie gezielt Stationen hervor, die zur Stelle passen.

Beispiel:

„Meine Leidenschaft für Marketing-Analytics habe ich eher zufällig entdeckt. Ich arbeitete ursprünglich im Kundendienst und begann, Muster in Reklamationsdaten zu erkennen, die sonst niemand ausgewertet hat. Daraus habe ich Dashboards erstellt, was dem Management auffiel – und so wechselte ich in eine Analystenrolle. In den letzten fünf Jahren habe ich mich von reaktivem Problemlösen hin zu strategischer Planung entwickelt.“

Das zeigt Initiative, Entwicklung und analytisches Denken.

Tipps für die Vergangenheit:

  • 2–3 zentrale Wendepunkte hervorheben
  • Entwicklung und Lernkurve aufzeigen
  • Den Bezug zur aktuellen Chance klar machen
  • Dauer: ca. 30–40 Sekunden

Zukunft: Warum diese Rolle, warum jetzt

Nun richten Sie den Fokus auf das Unternehmen. Zeigen Sie, dass Sie verstanden haben, worum es geht – und wie Sie beitragen können.

Beispiel:

„So wie ich die Rolle verstehe, möchten Sie Ihre digitale Präsenz ausbauen und gleichzeitig die authentische Markenstimme bewahren. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Kreativität und datenbasierter Entscheidungsfindung arbeite ich am liebsten – und genau deshalb reizt mich diese Position besonders.“

Sie machen klar: Es geht nicht um irgendeinen Job, sondern um diesen.

Tipps für die Zukunft:

  • Konkrete Aspekte der Stelle oder des Unternehmens erwähnen
  • Aufzeigen, wie Ihre Kompetenzen deren Bedürfnisse abdecken
  • Ehrliche Motivation und Begeisterung zeigen
  • Dauer: ca. 20–30 Sekunden

Hinweis: Das Gegenwart–Vergangenheit–Zukunft-Modell ist der Standard, lässt sich aber anpassen. Bei einem Quereinstieg kann es sinnvoll sein, mit der Vergangenheit zu beginnen. Entscheidend ist ein klarer, logischer Ablauf, der eine stimmige Geschichte erzählt.

Ihre Antwort auf jede Stelle zuschneiden

Ihre Antwort auf jede Stelle zuschneiden

Hier ein entscheidender Punkt, den viele Kandidatinnen und Kandidaten übersehen: Ihre Antwort auf «Erzählen Sie mir etwas über sich» sollte niemals ein Einheits-Skript sein.

Die wirkungsvollsten Antworten sind für jedes Interview individuell angepasst. Das bedeutet:

Unternehmen und Rolle recherchieren

Studieren Sie vor dem Interview:

  • die Stellenbeschreibung (was wird besonders betont?)
  • aktuelle News oder Herausforderungen des Unternehmens
  • Unternehmenskultur und Werte
  • mit wem Sie zusammenarbeiten werden

Ihre «Signature Strengths» identifizieren

Wissen Sie ganz genau, was Ihre 2–3 wichtigsten Stärken sind – und weshalb sie für diese konkrete Position relevant sind. Ihre Antwort soll zur Rolle wie angegossen passen.

Den Fokus gezielt anpassen

Dieselbe Person kann je nach Rolle andere Aspekte ihres Profils stärker betonen:

Für ein Startup: Anpassungsfähigkeit, verschiedene Hüte tragen, in Unsicherheit aufblühen

Für eine Corporate-Rolle: Prozessverbesserung, Zusammenarbeit, strategisches Denken

Für eine Führungsposition: Teamentwicklung, Vision setzen, Resultate erzielen

Beispiel: gleiche Person, unterschiedliche Gewichtung

Marketing-Rolle in einem Tech-Startup:

„Aktuell bin ich die Art von Marketer, die dann richtig aufdreht, wenn die Ressourcen knapp sind, die Erwartungen aber hoch. Ich habe drei erfolgreiche Kampagnen mit Mini-Budgets aufgebaut, indem ich kreativ mit Guerilla-Marketing gearbeitet und unsere bestehende Community gezielt genutzt habe …“

Marketing-Rolle in einem Konzern:

„Aktuell leite ich bereichsübergreifende Marketing-Initiativen, die auf unsere übergeordneten Business-Ziele einzahlen. Ich bin darauf spezialisiert, komplexe Strategien in umsetzbare Pläne zu übersetzen, die bei Stakeholdern aus Sales, Product und der Geschäftsleitung Rückhalt finden …“

Gleiche Fachperson – anderer Blickwinkel, je nachdem, was die Organisation stärker wertet.

Das optionale Add-on: Interessen ausserhalb der Arbeit

Das optionale Add-on: Interessen ausserhalb der Arbeit

Das ist etwas, das Sie in Betracht ziehen können – aber es ist nicht zwingend: kurz Interessen ausserhalb der Arbeit erwähnen, die professionelle Qualitäten widerspiegeln.

Der Unternehmer Kevin O’Leary hat dazu viel gesagt. In mehreren Interviews hat er erklärt, dass er gezielt Kandidatinnen und Kandidaten sucht, die das haben, was er „yin and yang“ nennt: berufliche Kompetenz, kombiniert mit komplett anderen Hobbys oder Interessen. Er hat erwähnt, dass er keine Workaholics einstellt, und sinngemäss gesagt: „25 Stunden pro Tag zu arbeiten macht einen sehr, sehr unproduktiv.“ Einige seiner besten Business-Ideen seien beim Gitarrespielen oder bei anderen Interessen entstanden – nicht während der Arbeit.

Aktivitäten wie Marathon-Training, Jugend-Sport coachen oder ein Musikinstrument lernen können Disziplin, Verlässlichkeit und jene Balance signalisieren, die jemanden im Job wirkungsvoll macht.

Aber der entscheidende Punkt: Das ist optional und sollte sehr kurz sein.

Karriereexpertinnen und -experten empfehlen, dass 80% Ihrer Antwort Sie als Profi zeigen. Wenn Sie persönliche Interessen überhaupt erwähnen, dann als kurzer Satz am Schluss – und nur, wenn er Eigenschaften vermittelt, die sich auf die Arbeitsleistung übertragen lassen.

Beispiele, die funktionieren:

  • „Neben der Arbeit trainiere ich für meinen dritten Halbmarathon. Ich habe gemerkt, dass die Disziplin eines Trainingsplans direkt in mein Projektmanagement übergeht – grosse Ziele in machbare tägliche Meilensteine zu zerlegen.“
  • „Ich engagiere mich als Coding-Mentor für unterrepräsentierte Jugendliche in der Tech-Branche. Das hält mich fachlich wach und erinnert mich daran, weshalb ich dieses Feld so spannend finde.“
  • „Ich habe vor Kurzem angefangen, täglich Französisch zu lernen. Das hat mir viel über Durchhaltevermögen und den Wert von kleinen Fortschritten beigebracht – Skills, die ich in der Produktentwicklung ebenfalls nutze.“

Was Sie NICHT erwähnen sollten:

  • generische Hobbys ohne Aussage („Ich schaue gern Netflix“)
  • alles Kontroverse (politische Aktivitäten, polarisierende Themen)
  • extrem zeitintensive Hobbys, die Arbeitgeber bezüglich Verfügbarkeit verunsichern könnten
  • zufällige Fakten ohne Bezug zu einer beruflichen Qualität

Kurz gesagt: Wenn Sie ein relevantes Interesse haben, dürfen Sie es einbauen. Wenn nicht, ist das völlig okay. Setzen Sie zuerst und vor allem auf Ihre professionelle Geschichte.

Timing ist alles

Timing ist alles

Hier gilt eine klare Regel: Halten Sie Ihre Antwort zwischen 90 Sekunden und maximal 2 Minuten. Der Sweet Spot liegt bei ungefähr 90 Sekunden.

Nach 2 Minuten beginnt die Aufmerksamkeit vieler Menschen abzuschweifen. Sie wollen neugierig machen, damit Nachfragen kommen – nicht mit einer kompletten Autobiografie überfordern.

Timing-Tipps:

  • laut üben (ja, wirklich)
  • sich selbst aufnehmen und auf Tempo, Füllwörter und Klarheit achten
  • die Zeit messen: wenn Sie über 2 Minuten sind, Inhalt kürzen
  • Substanz vor Länge
  • so erzählen, dass man mehr wissen will

Alles zusammengeführt: ein vollständiges Beispiel

Alles zusammengeführt: ein vollständiges Beispiel

Schauen wir, wie all diese Elemente in einer 90-Sekunden-Antwort zusammenspielen:

Interviewer: „Erzählen Sie mir etwas über sich.“

Sie: „Sehr gern. Aktuell bin ich Senior Data Analyst, aber mein Team nennt mich den ‚Data Translator‘. Ich nehme komplexe Datensätze und mache daraus Geschichten, die auch nicht-technische Stakeholder verstehen und umsetzen können.

Ich bin auf einem eher unkonventionellen Weg in dieses Feld gekommen: Ich habe ursprünglich im Journalismus gestartet, wo ich gelernt habe, in einer Informationsflut den roten Faden zu finden. Als ich vor vier Jahren in die Business Analytics gewechselt habe, habe ich diese Storytelling-Kompetenz mitgenommen – und gemerkt: Die brillanteste Analyse bringt nichts, wenn sie niemand versteht oder ihr nicht genug vertraut, um Entscheidungen darauf zu stützen.

Was mich an Ihrem Unternehmen besonders anspricht, ist Ihr Fokus darauf, Daten in allen Abteilungen zugänglich zu machen. Gemäss Stellenbeschreibung suchen Sie jemanden, der diese technische und kreative Brücke schlagen kann und Teams im ganzen Unternehmen befähigt, bessere datenbasierte Entscheidungen zu treffen. Genau diese Herausforderung reizt mich. Ähnliches habe ich in meiner aktuellen Rolle umgesetzt, als ich ein Dashboard-Training aufgebaut habe, das die Daten-Nutzung in nicht-technischen Teams um 60% erhöht hat.

Und ausserhalb der Arbeit klettere ich leidenschaftlich gern. Das hat mich gelehrt, dass die besten Lösungen oft Geduld und Kreativität brauchen – und manchmal auch, ein Problem aus einem ganz anderen Winkel anzugehen.“

Länge: ungefähr 90 Sekunden

Framework: Gegenwart → Vergangenheit → Zukunft → kurzer persönlicher Touch

Resultat: einprägsam, konkret und direkt auf die Rolle bezogen

Häufige Varianten dieser Frage

Häufige Varianten dieser Frage

Seien Sie darauf vorbereitet: Interviewer formulieren diese Frage sehr unterschiedlich:

  • „Führen Sie mich durch Ihren Lebenslauf.“ → Nutzen Sie dasselbe Framework, aber beziehen Sie sich im Teil „Vergangenheit“ auf konkrete Stationen im CV.
  • „Erzählen Sie mir etwas über Ihren Hintergrund.“ → Im Kern dieselbe Frage; verwenden Sie Ihre vorbereitete Gegenwart–Vergangenheit–Zukunft-Antwort.
  • „Was hat Sie heute zu uns gebracht?“ → Legen Sie mehr Gewicht auf „Zukunft“: weshalb Sie genau diese Rolle interessiert.
  • „Erzählen Sie etwas über sich, das nicht in Ihrem Lebenslauf steht.“ → Hier wird explizit nach Persönlichem gefragt. Sie können Interessen ausserhalb der Arbeit teilen, sollten sie aber weiterhin mit beruflichen Qualitäten verknüpfen.
  • „Ich habe Ihren Lebenslauf vor mir – erzählen Sie mir trotzdem mehr über sich.“ → Das Signal lautet: Persönlichkeit und Kontext, nicht ein CV-Recap. Jetzt darf Ihre Story wirklich lebendig werden.

Der Schlüssel ist, die Absicht hinter der jeweiligen Variante zu erkennen – und trotzdem eine Struktur zu nutzen, damit Ihre Antwort fokussiert und relevant bleibt.

Üben (aber nicht über-einüben)

Üben (aber nicht über-einüben)

Hier die harte Wahrheit: Sie wollen Ihre Antwort nicht zum ersten Mal in einem echten Interview testen. Improvisieren führt oft zu Abschweifen, Vergessen von Kernpunkten – oder im schlimmsten Fall zu einem Blackout.

Ihr Actionplan:

  1. Schreiben Sie Ihr Gegenwart–Vergangenheit–Zukunft-Gerüst auf – passend zur konkreten Rolle, auf die Sie sich bewerben
  2. Üben Sie es laut (nicht nur still lesen – der Rhythmus ist komplett anders)
  3. Nehmen Sie sich auf und hören Sie auf:
    • Füllwörter („äh“, „sozusagen“, „halt“)
    • Tempo (zu schnell, zu langsam, monoton)
    • Stellen, die robotisch oder unnatürlich klingen
    • ob Sie zwischen 90 Sekunden und 2 Minuten bleiben
  4. Testen Sie es mit jemandem, der Sie gut kennt und bitten Sie um ehrliches Feedback
  5. Überarbeiten und nochmals üben, bis es sich wie ein Gespräch anfühlt

Wichtig: Das Ziel ist nicht, ein Skript Wort für Wort auswendig zu lernen. Sie sollen Struktur und Kernpunkte verinnerlichen, damit Ihre Lieferung natürlich und konversational wirkt – nicht einstudiert. Denken Sie an eine Story: Sie kennen die wichtigsten Plot Points und erzählen sie je nach Situation etwas anders, aber die Hauptbeats bleiben gleich.

Üben Sie auch Varianten für verschiedene Situationen:

  • Was, wenn Sie mit einer Nachfrage unterbrochen werden?
  • Was, wenn mehr Details zu einem bestimmten Teil verlangt werden?
  • Wie würden Sie es für ein Telefoninterview vs. Video vs. vor Ort anpassen?

Je mehr Sie das Framework üben, desto einfacher fällt Ihnen das flexible Anpassen im Moment.

Das Fazit

Das Fazit

„Erzählen Sie mir etwas über sich“ ist nicht nur ein Icebreaker – es ist Ihre goldene Chance, die Geschichte ab Minute eins zu steuern. Ihre Antwort setzt den Ton für das ganze Interview und beeinflusst, ob der Hiring Manager Sie in der Rolle wirklich sehen kann.

Merken Sie sich diese Prinzipien:

Keine Autobiografie – niemand braucht Ihre ganze Lebensgeschichte

Gegenwart–Vergangenheit–Zukunft nutzen – strukturiert, aber flexibel

Persönlichkeit über die Arbeitsweise zeigen – nicht über zufällige Hobbys

Erfahrung mit ihren konkreten Bedürfnissen verknüpfen – jede Antwort zuschneiden

Kurz und prägnant bleiben – 90 Sekunden bis maximal 2 Minuten

Üben, bis es natürlich wirkt – nicht auswendig, sondern souverän

Jedes Interview individuell vorbereiten – One size passt nicht

Beherrschen Sie diese Antwort, dann „überleben“ Sie die Frage nicht nur – Sie nutzen sie als Ihr Werkzeug, um genau den Eindruck zu hinterlassen, den Sie wollen. Sie sind die Person, die heraussticht. Die, an die man sich erinnert, wenn es um die finale Entscheidung geht.

Die Kandidatinnen und Kandidaten, die eingestellt werden, sind nicht zwingend jene mit dem perfektesten Lebenslauf oder den meisten Jahren Erfahrung. Es sind die, die ihren Mehrwert klar ausdrücken, zeigen, dass sie die Chance verstanden haben, und eine echte Verbindung zum Gegenüber herstellen.

Also: Wenn beim nächsten Mal jemand fragt „Erzählen Sie mir etwas über sich“, haben Sie nicht einfach eine Antwort. Sie haben Ihre Geheimwaffe.

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